Philipp Bobrowski: Der Fantasy-Autor im Interview

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18.06.2008

Der Rostocker spricht über seine Schreibanfänge, über Frauen, über seine Liebe zur Fantasy-Literatur und über seinen Debütroman "Das Lächeln der Kriegerin".

Philipp, du sagst selbst, dass du verhältnismäßig spät zum Schreiben gekommen bist. Deine Publikationsliste beginnt im Jahr 2003. Du hast mit Kurzgeschichten und Gedichten angefangen, die erstaunlicherweise nicht nur in Rostock und Umgebung, sondern auch deutschlandweit, in Italien und auch in Los Angeles erschienen. Wie kam es dazu?

Philipp Bobrowski: Das klingt immer so, als wäre ich viel rumgekommen, aber damit hat das eigentlich gar nichts zu tun. Ich hab anfangs an Internetausschreibungen teilgenommen. Vor allem kleinere Verlage machen oft Ausschreibungen im Internet. Da habe ich mitgemacht und konnte meine Geschichten in diversen Anthologien unterbringen. Und weil diese Verlage deutschlandweit gestreut sind und teilweise auch aus dem Ausland kommen, sind sie eben auch in Dortmund und Los Angeles erschienen.

Im März dieses Jahres ist dein erster Roman "Das Lächeln der Kriegerin" im Rostocker Hinstorff-Verlag erschienen. Dein Debüt ist eine Fantasy-Geschichte, wobei du ja sagst, du seist auf kein Genre festgelegt. Nun hast du aber deine Examensarbeit über J.R.R. Tolkien geschrieben und bist ein großer "Herr der Ringe"-Fan. Hat die Euphorie nach der Trilogie-Verfilmung Anfang 2000 dich noch zusätzlich inspiriert oder hat das mit deinem Debütroman gar nichts zu tun?

Philipp Bobrowski: Ich habe "Herr der Ringe" das erste Mal mit 11 oder 12 gelesen, da war ja an die Filme noch gar nicht zu denken. Ich bin aber tatsächlich über "Herr der Ringe" zur Fantasy gekommen und habe mich seitdem nach ähnlichen Büchern umgesehen. Natürlich habe ich auch alles von Tolkien gelesen. Als die Filme rauskamen, war das für mich sozusagen ein alter Hut. Aber das Buch hat mich mein Leben lang begleitet. Die Idee, meine Examensarbeit darüber zu schreiben, hatte gar nicht ich, sondern meine Dozentin. Meinen Debütroman habe ich aber dennoch unabhängig von den Filmen und der Euphorie geschrieben.

Die Macht der Frauen ist recht auffällig in deinem Debütroman "Das Lächeln der Kriegerin". Nicht nur lädt sich ein junges Mädchen die Verantwortung für ihr ganzes Land auf, das Reich wird auch von einer Königin regiert, die sogar höchstpersönlich in den Krieg zieht. Generell sind es eher die Frauen in deinem Roman, die traditionell männliche Eigenschaften wie Entschlossenheit und Mut haben. Was hat es damit auf sich? Wie bewusst hast du das konstruiert? Bist du am Ende vielleicht Feminist?

Philipp Bobrowski: (lacht) Ich mag Frauen! Das schon mal grundsätzlich. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich diese Geschichte aus der Sicht einer Frau, bzw. eines Mädchens erzählen will. Das hat den Vorteil, dass man natürlich die ganze Geschichte auch an der Seite eines Mädchens durchlebt, und das hat mir, zumindest auf dieses Buch bezogen, einfach mehr Spaß gemacht. Das muss aber nicht immer so sein.
Weibliche Hauptfiguren sind in der Fantasyliteratur generell nicht unüblich, und gerade in moderner Fantasy-Literatur herrscht da schon Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Ich hab mir gar nicht so viele Gedanken gemacht. Aber es ist natürlich auch ein gewisser Reiz, herauszufinden, ob man als Mann auch aus der Sicht einer Frau überzeugend schreiben kann.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews.
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